ALICE LOWTHER

30. Mai 1873 - 20.November 1939

 

Reiseschriftstellerin, Autorin von Kurzgeschichten

 

 

Alice Blight, war Amerikanerin und stammte aus einer angesehenen Familie mit mehreren Besitzungen an der Ostküste (Philadelphia, New York, Newport und Boston). Ihre Mutter Nina, geb. Greenough, stammte aus einer reichen Bostoner Familie und nahm sich 1897 aus Krankheitsgründen das Leben, ihr Vater war Atherton Blight, Harvard Absolvent, Anwalt, Weltreisender und Gelehrter. Sie hatte zwei jüngere Schwestern: Edith und Evelyn. Die Familie gehörte zu den höchsten Gesellschaftskreisen: im 1904 erschienenen "The Ultra-Fashionable Peerage of America. An Official List of Those People who can Properly be Called Ultra-Fashionable in the United States" zählt Alice zu den bestgekleideten Schönheiten. Ihren späteren Mann, den britischen Diplomaten Sir Gerard Augustus Lowther (1858 - 1916), lernte sie in Newport kennen, dem Treffpunkt der Reichen und Adeligen, und heiratete ihn am 28. Februar 1905 in der Londoner All Saint’s Church. Lowther war Sekretär der britischen Botschaft in Washington, wurde Gesandter in Algier und war von 1908 bis 1913 Botschafter in Konstantinopel; er war bekannt dafür, dass er antisemitische Texte verbreitete und den arabischen Antisemitismus unterstützte.

Alice und Gerard Lowther bekamen drei Töchter: Edith Alice Cecilia (1906), Gladys Mabel (1908) und Violet Eleanor (1910), die nur ein paar Monate alt wurde. Beide Töchter heirateten wieder in adelige Kreise ein: Edith 1933 Baron Jacques Thernard und 1945 Roger Leveque de Vilmorin, Gladys 1933 Charles Neville Fane und 1942 James Hayton Greenhill Black.

Alice Lowther war sozial engagiert und setzte ihren Namen und ihre Stellung für Spendenaktionen ein: unter ihrer Leitung unterstützte der American Women's Club Frauen, die während des Ersten Weltkriegs in London gestrandet waren und keine Staatsbürgerschaft hatten, im Rahmen ihres War Relief Fund für Flüchtlinge in Konstantinopel sammelte sie 1912 fast 40.000 Pfund; außerdem stand sie dem Belgian Prisoners in Germany Relief Fund vor, der Geld für Essenpakete an belgische Kriegsgefangene in Deutschland sammelte. Für ihr Engagement erhielt sie zwei Orden: Order of Queen Elisabeth of Belgium, Star of the Order of Shefakat.

Sie unternahm viele Reisen, war eine begeisterte Tagebuchschreiberin und verwendete die Reisenotizen für ihre Publikationen. Man hielt sie für eine große Architektur- und Kunstkennerin, mit einer ausgezeichneten Beobachtungsgabe für Natur und Menschen. Anfang der zwanziger Jahre reiste sie fast drei Monate lang durch Indien, schrieb ein ausführliches Reisetagebuch, veröffentlichte 1923 "Holy Ajanta", einen Teilabschnitt, in der National Review und schilderte die gesamte Reise in dem illustrierten Band "Land of the Gold Mohur" (1932). 1936 verbrachte sie einige Monate in Madeira, brach den Aufenthalt aber vor Ausbruch des Spanischen Bürgerkrieges ab; aus ihrem Reisetagebuch entstand "Moments in Portugal" (1939).

Sie schrieb Kurzgeschichten für Zeitschriften wie The National Review, Saturday Review, English Review, Cornhill Magazine, Windsor Magazine und veröffentlichte drei Bände mit Kurzgeschichten.

"Down the Old Road" (1921) fand Aufnahme im Katalog der besten amerikanischen Kurzgeschichten des Jahres 1921 und wurde von der Presse als sehr ernst, trostlos und realistisch bezeichnet. Der nächste Band mit Kurzgeschichten, "When it was June" erschien im November 1923 in der Hogarth Press in einer Auflage von 750 Stück; das 88 Seiten starke Buch hatte einen blauen Leinenumschlag mit einem weißen, schwarz bedruckten Schildchen, der weiße Schutzumschlag war schwarz bedruckt. Bis Jänner 1926 wurden 229 Bücher verkauft. Von den fünf Texten - When it was June / Fields of Daffodil / At Hyde Park Corner / Wheels within Wheels / Hounds of Hell - wurden der erste und der letzte als ausgezeichnet beurteilt, die anderen als interessant (The Nation and Athenaeum, Bd. 34, S. 243).


Verwendete Literatur / Quellen:

J. Howard Woolmer: A Checklist of the Hogarth Press. 1917 - 1946. Woolmer/Brotherson Ltd., Revere, Pennsylvania 1986

Eric Plaag: On the Waters of the Wissahickon: A History of Erdenheim Farm. Univ of South Carolina Press, 2015

Hem Bala Bhargava: Royalty, Feudalism, and Gender: As Portrayed by Foreign Travellers. 2000

Aubrey Herbert: Albania's Greatest Friend. Aubrey Herbert and the Making of Modern Albania: Diaries and Papers 1904-1923. I. B.Tauris,.2011

en.wikipedia.org/wiki/Sir_Gerard_Lowther,_1st_Baronet

americanwomeninwwi.wordpress.com/2017/01/09/helping-in-britain-the-american-womens-war-relief-fund/

Marlborough Express, Volume L, Issue 195, 29 August 1916 (Belgian Prisoners Relief Fund)

spiderbites.nytimes.com/free_1905/articles_1905_03_00004.html

www.thepeerage.com/p1219.htm#i12186

www.worcesterart.org/collection/Early_American/Artists/stuart/betsy/painting-discussion.html

find.zsr.wfu.edu/Record/29736/TOC#tabnav

 

 

Alice Lady Lowther, 1920 (Foto Bassano)

Alice Lowther mit ihren Töchtern Edith Alice Cecilia und Gladys Mabel, 1920 (Foto Bassano)

Sir Gerard Augustus Lowther, circa 1916 (Foto: Walter Stoneman für James Russell and Sons)© National Portrait Gallery, London

Kohlezeichnung Anfang der zwanziger Jahre von John  Singer Sargent (1856 - 1925); er galt als der bedeutendste und auch teuerste US-amerikanische Porträtmaler seiner Zeit.

© National Portrait Gallery, London

Alice Lowther in Dehli / Lady Honor Ward, Captain Bowes Daly und Alice Lowther

(Fotos aus "Land of the Gold Mohur", archive.org)


Alice Lowther - Veröffentlichungen (Auswahl):

Down the Old Road. Heath Cranton, London 1921

When it was June. Hogarth Press, London 1923

Holy Ajanta. In: National Review 1923

A Breaking Flower. Erskine Macdonald, London 1927

A Woman on the Helm. In: Cornhill Magazine, Nr. 398, August 1929

Old Wine in New Bottles. In: The Windsor Magazine. An Illustrated Monthly for Men and Women. Bd, 72, 1930

Land of the Gold Mohur. Philip Allan, London 1932 / archive.org

Moments in Portugal or Land of the Laurel. A Diary, with Plates. Luzac, London 1939