ENA VICTORIA LIMEBEER

1897 - 1984

 

Schriftstellerin, Malerin

 

 

Ena Limebeer war Schriftstellerin und Malerin und wurde 1897 in St. Mary Islington, Middlesex, im Norden von London geboren. Sie besuchte die North London Collegiate School in Camden, eine Mädchenschule die 1850 von Frances Mary Buss, Suffragette und Pionierin für fortschrittliche Mädchenerziehung, gegründet worden war.

Ena heiratete am 9. Juni 1923 den linksliberalen Politikwissenschaftler David Mitrany (1888 - 1975) und zog mit ihm nach Kingston Blount in der Nähe von Oxford.

David Mitrany stammte aus Bukarest und emigrierte - da er als Angehöriger der jüdischen Minderheit in Rumänien keinen Zugang zu einem Studium hatte - nach Deutschland und im Herbst 1912 nach England; in London studierte er an der London School of Economics Soziologie und Politilogie; er stand der Fabian Society nahe, schloss sich 1916 der "League of Nations Society" an und war von 1918 bis 1931 Mitglied des Labour Party Advisory Committee, in dem auch Leonard Woolf mitarbeitete. Mitrany war von 1919 bis 1922 Mitarbeiter des Manchester Guardian, schrieb danach weiter für die Zeitung und unternahm für seine Reportagen zahlreiche Reisen - die nicht immer ungefährlich waren - nach Südosteuropa, Ena begleitete ihn.

1929 übersiedelten Ena und ihr Mann in die USA, wo Mitrany eine Gastprofessur in Harvard hatte, Vorlesungen in Yale hielt und ab 1933 ständiges Mitglied des neu gegründeten Institute for Advanced Studies in Princeton wurde. Im September 1939 kehrten sie nach England zurück - Mitrany arbeitete bis 1942 im Foreign Research and Press Office - und gingen nach dem Krieg wieder nach Princeton, wo Mitrany bis 1956 seine Professur wahrnahm.

Nach ihrer Rückkehr aus den USA lebten Ena und ihr Mann wieder in "The Lower Farm" in Kingston Blount und hatten außerdem eine Wohnung in London (Flat 7, 44 Grove End Road, London NW 8). David Mitrany starb im Juli 1975, nach seinem Tod lebte Ena in London, Westminster.

 

David Mitrany schrieb in sein 1925 erschienenes Buch "The Problem of International Sanctions" - das Exemplar steht in der British Library - eine Notiz für seine Frau:

Wenn alle Menschen, meine liebe Ena, so eine freundliche und liebenswürdige Natur wie Du hätten, dann wären Sanktionen überflüssig; und anstatt so viele Stunden mit diesem schrecklichen Thema verbringen zu müssen, könnte ich sie viel klüger in Deiner erfreulichen Gegenwart nutzen.

 

Ena Limebeer veröffentlichte Gedichte und Kurzgeschichten in Zeitschriften wie New Age, New Statesman und The Nation and Athenaeum, wo Leonard Woolf Herausgeber für Literatur war. Eine Sammlung ihrer Gedichte erschien im Juli 1924 in der Hogarth Press: "To a Proud Phantom" wurde von den Woolfs handgedruckt und handgebunden. Der Verkaufserfolg des 32 Seiten starken Bändchens mit 250 Stück Auflage war nicht überwältigend: bis Jänner 1928 wurden 159 Stück verkauft.

In die von Edward J. H. O’Brien herausgegebene Sammlung "The Best British Short Stories of 1926" wurde ihr Text "Step-Mother Earth" aufgenommen, eine Geschichte über zwei Emigranten, die nach vierzig Jahren im Westen der USA in ihr Heimatland Polen zurückkehren; und L. A. G. Strong veröffentlichte ihr Gedicht "The Lake" in "The Best Poems of 1926".

Ihr Roman "Market Town" ist eine Satire auf eine Kleinstadt in Hampshire, bevölkert von scheinheiligen und aufgeblasenen Dummköpfen, der - so der "Spectator" (7. März 1931) - zwar gut geschrieben, aber auch ziemlich verleumderisch ist.

"The Fortnightly Review" (Bd. 138, 1932) vergleicht ihren zweiten Roman "Dove and Roebuck" mit Werken Virginia Woolfs und Dorothy Richardsons und betont, dass die Autorin auf Lesbarkeit und genaue Zeichnung der Charaktere Wert legt. Im Zentrum des Romans ist das Dorfgasthaus "Dove and Roebuck" und eine Frau, die vom Leben mehr verlangt als sie bewältigen kann und damit andere ins Verderben mitzieht.

 

Bekannt wurde Ena Limebeer auch durch ihre Aquarellarbeiten, die in Großbritannien und im Pariser Salon der 1960-er Jahre ausgestellt wurden. Sie malte ihr ganzes Leben lang, nach dem Erscheinen ihres letzten Romans konzentrierte sie sich ganz auf die Malerei: die besten ihrer Bilder stammen aus den 50-er und 60-er Jahren. Sie signierte ihre Bilder in Blockbuchstaben: entweder EB oder ENA LIMEBEER; dabei dürfte auch der Fehler entstanden sein, dass ein Porträt ihres Mannes und andere Bilder unter "Ena Limebeek" zu finden sind.


Verwendete Literatur / Quellen:

J. Howard Woolmer: A Checklist of the Hogarth Press. 1917 - 1946. Woolmer/Brotherson Ltd., Revere, Pennsylvania 1986

Elizabeth Willson Gordon: Woolf's-head Publishing. The Highlights and New Lights of the Hogarth Press. University of Alberta Libraries, 2009

Lucian M. Ashworth: International Relations and the Labour Party. Tauris Academic Studies, London - New York 2007

www.ukcensusonline.com

www.thegenealogist.co.uk

search.findmypast.co.uk/results/world-records/national-school-admission-registers-and-log-books-1870-1914

de.wikipedia.org/wiki/David_Mitrany

www.uni-trier.de/fileadmin/fb4/prof/VWL/EWP/Publikationen/Ambrosi/mitrany1.pdf

Archives in London and the M25 area: www.aim25.ac.uk/index.stm, Suche: David Mitrany

www.thegazette.co.uk/London/issue/46706/page/12624/data.pdf

Wynyard Browne: Six Novels by Women. In: The Bookman, October 1932 (www.unz.org/Pub/BookmanUK-1932oct-00077?View=PDF)

www.modernistarchives.com/work/to-a-proud-phantom

furrowedmiddlebrow.blogspot.co.at/2014/09/ena-limebeer-dove-and-roebuck-1933-and.html

archive.spectator.co.uk/page/7th-march-1931/41

www.vialibri.net/years/items/1045392/1923-limebeer-ena-to-a-proud-phantom

www.ebay.com/itm/Ena-Limebeek-20th-Century-Watercolour-Tranquillity-View-of-the-Thames-Oxon-/332262303136AIM25 /

 

David Mitrany und Ena Victoria Limebeer

"To a Proud Phantom" hatte einen vielfarbigen, marmorierten Umschlag, der variierte; das handgemachte Marmorpapier stellte Roger Frys Tochter Pamela her.


Ena Limebeer - Veröffentlichungen (Auswahl):

To a Proud Phantom. Hogarth Press, London 1924

Step-Mother Earth. In: The Best British Shortstories of 1926. Dodd, Mead & Co. New York 1926

The Lake. In: The Best Poems of 1926. Dodd, Mead & Co., New York 1926

Market Town. Jonathan Cape, London 1931

The Dove and Roebuck. J. M. Dent, London 1932 / E. P. Dutton, New York 1933