HOPE MIRRLEES

8. April 1887 - 1. August 1978

 

Schriftstellerin, Dichterin, Übersetzerin

 

 

Helen Hope Mirrlees wurde in Chislehurst/Kent geboren und stammte aus einer sehr wohlhabenden schottischen Großindustriellen-Familie. Ihre Mutter Emily Lina/Lena Mirrlees (geb. Moncrieff) kam aus einer Familie von Landadeligen, mit Anwälten in Edinburgh; sie war sehr belesen, ihre Lieblingsdichter waren Wordsworth, Robert Browning und Dante Gabriele Rossetti. Ihr Vater William Julius war ausgebildeter Ingenieur und Mitbegründer der südafrikanischen Zuckerproduktion Mirrlees-Tongaat (jetzt Tongaat-Hulett) Company in Natal. Eine Tante von Hope Mirrlees, Constance Moncrieff, war eine frühe Verfechterin der Frauenrechte und hatte den Mut, mit einem Fahrrad quer durch Afrika zu fahren. Hope war das älteste von sechs Kindern, drei ihrer Geschwister starben im Kindheitsalter. Ihr um fünf Jahre jüngerer Bruder William Henry Buchanan (Reay) Mirrlees, später enger Freund von König Eduard VIII., wurde hochdekorierter Offizier in der britischen Armee und erhielt für seinen Einsatz gegen Rommel eine der höchsten Auszeichnungen Frankreichs. Ihre um zwölf Jahre jüngere Schwester Margaret Rosalys, von allen Margot genannt, heiratete den Offizier Lewis Aubrey Coker und veröffentlichte ein Jahr nach dem Tod ihrer Mutter das gemeinsam verfasste Kochbuch "Wishful Cooking".

Ihre Jugend verbrachte Hope Mirrlees hauptsächlich in Schottland und England, unterbrochen von längeren Aufenthalten in Südafrika (Tongaat/Natal), in denen sie von befreundeten Kindern Zulu lernte; sie wurde von Gouvernanten unterrichtet, besuchte in St. Andrews die Preparatory School bevor sie zur St. Leonard’s School wechselte, einer fortschrittlichen Mädchenschule mit wissenschaftlichem Anspruch. In St. Leonard's wurde u. a. auch die Frauenrechtlerin und Gründerin der feministischen Zeitschrift Time and Tide Margaret Haig Thomas, spätere Lady Rhondda, ausgebildet.

Nach einem kurzen Ausflug ins dramatische Fach - sie besuchte die Royal Academy of Dramatic Art - entschloss sie sich für ein Studium am Newnham College in Cambridge. Um ihr nahe zu sein, übersiedelte die Mirrlees Familie zuerst nach Cambridge (Cranmer Road) und dann in ein vom Architekten Sir Edwin Lutyens erbautes Anwesen in der Nähe von Great Shelford (Mount Blow) - trotz enger Bindung an ihre Familie für die nach Unabhägigkeit strebende Hope etwas zu nahe. Im Ersten Weltkrieg wurde Mount Blow von William Julius Mirrlees als Spital für Kriegsverwundete zur Verfügung gestellt; neuer Familienwohnsitz  wurde Shamley Wood oder The Shambles in Shamley Green/Surrey.

Hope Mirrlees studierte von 1910 bis 1913 bei ihrer späteren Lebensgefährtin Jane Harrison Altphilologie. Jane Harrison überwachte sorgfältig ihre Studien und hatte offensichtlich auch eine Auge auf ihr Privatleben, denn in Briefen an Lina und Hope Mirrlees drückte sie ihre Erleichterung über das Ende einer Beziehung von Hope zu einem nicht namentlich genannten Mann aus; dieser Mann dürfte der um fast dreißig Jahre ältere Maler und Ilustrator Henry Justice Ford gewesen sein.

Obwohl sie dank ihrer französischen Gouvernante hervorragende Französischkenntnisse besaß und für  Latein und Altgriechisch großes Interesse entwickelte, schloss sie ihr Studium nicht formell mit dem Tripos ab. Eine Freundin, Elsie Butler, ebenfalls Studentin von Jane Harrison und später Germanistikprofessorin, beschrieb sie als eine Art Kolibri, mit leuchtenden saphirblauen Augen, klimpernden Ohrringen, immer ein Lied auf den Lippen, eine Mischung aus Kobold und Genie. Eine andere Freundin in Cambridge war Karin Costelloe, die später Virginia Woolfs Bruder Adrian heiratete; mit ihr machte sie nach dem Studium Reisen durch Frankreich und Italien, und durch sie lernte sie Virginia und Leonard Woolf und den Bloomsbury Kreis kennen.

Zwischen Hope Mirrlees und der um fast vierzig Jahre älteren Jane Harrison hatte sich eine enge Beziehung entwickelt, sie betrieben gemeinsame Studien, veröffentlichen Bücher, reisten und lebten zusammen - und kommunizierten in ihrer sehr privaten Korrespondenz etwas schrullig und exaltiert über Tiergestalten, wie den Bären, der eine Art Ehemann für beide darstellte, oder das junge und das alte Walross. Sie verbrachten einige Monate in Paris, lebten im Hotel de l’Elysée (3 Rue de Beaune) und studierten Russisch an der Ecole de Langues Orientales.

Virginia Woolf sah in Hope Mirrlees eine "selbstbewußte, eigenwillige, stachelige & launische junge Frau, auffallend gut gekleidet & hübsch, mit eigenen Ansichten über Bücher & Stil" und forderte sie 1919 auf, etwas für die Hogarth Press zu schreiben: 1920 erschien "Paris. A Poem", dessen Bedeutung erst viel später erkannt wurde.

Nach einem Aufenthalt mit Sprachstudium in Spanien (1920) lebten Hope Mirrlees und Jane Harrison von Ende 1922 bis 1925 in Paris; sie wohnten im Hotel de Londres (3 Rue Bonaparte) und im American University Women’s Club (4 Rue de Chevreuse), erhielten Besuche u. a. von Leonard und Virginia Woolf, Edith Wharton, Dorothy und Simon Bussy, Jessie G. Stewart und hatten Kontakt mit Henry Matisse, Paul Valery, Gertrude Stein und Alice B. Toklas. In dieser sehr produktiven Zeit schrieb Hope Mirrlees Gedichte, Romane und übersetzte gemeinsam mit Jane Harrison Texte aus dem Russischen.

Über die Provence und Burgund kehrten sie im Frühjahr 1926 nach London zurück, wohnten für ein paar Wochen in der Weymouth Street und bezogen dann eine Wohnung in 11 Mecklenburgh Street; ihre produktive Lebensgemeinschaft sollte aber nicht mehr lange andauern: Jane Harrisons Gesundheitszustand verschlechterte sich zusehends, sie starb im April 1928 an Leukämie, bis zum Schluss liebevoll gepflegt von Hope Mirrlees. Nach dem Tod ihrer Gefährtin änderte sie ihr Leben: bereits im Februar 1928 hatte sie ihren Vertrag für einen vierten Roman bei William Collins gekündigt, nun zog sie sich immer mehr aus der Gesellschaft zurück, wurde religiös und veröffentliche über dreißig Jahre nichts mehr. Sie konzentrierte sich darauf, Material aus Jane Harrisons Leben zu sammeln und plante eine Biografie, die sie gemeinsam mit Jessie G. Stewart, einer ehemaligen Lieblingsstudentin von Harrison, schreiben wollte; über Jahre diskutierten die beiden darüber, konnten das Projekt aber nicht realisieren; Jessie G. Stewart veröffentlichte schließlich 1959 allein eine Arbeit, die weniger auf das Werk Jane Harrisons als auf ihre Wirkung und den Einfluss auf Freunde und Studierende einging.

Hope Mirrlees lebte ab nun gemeinsam mit ihrer Mutter, die seit 1924 verwitwet war, in eine Wohnung in  South Kensington (1 Thurloe Close) oder in Shamley Green; mit ihr und ihrer Tante Constance Moncrieff verbrachte sie vor allem auch die Zeit des Zweiten Weltkrieges in The Shambles; das Haus der Familie lag hoch über dem Dorf und wurde zum Heim für eine Reihe von Flüchtlingen und Freunden aus London und Umgebung; so war T. S. Eliot längere Zeit zahlender Gast in dem Haus, das für ihn zu einem "Zuhause" wurde, wo er seine besten Arbeiten schrieb.

Nach dem Tod ihrer Mutter (1948) ging Hope Mirrlees auf Reisen, sie besuchte Paris, fuhr nach Ägypten und ließ sich schließlich in Südafrika nieder; Molenvliet in Stellenbosch am Kap der Guten Hoffnung wurde ihr Heim für die nächsten fünfzehn Jahre. Sie übersiedelte ihre Bücher, ihre Einrichtung und begann einen neuen Freundeskreis in der lokalen akademischen Gemeinde der Universitätsstadt aufzubauen: dazu gehörten Leo Marquard, Herausgeber von Oxford University Press in Kapstadt, seine Frau Nellie, Lektorin an der Stellenbosch Universität, Irma Stern, eine Malerin, die dem deutschen Expressionismus nahe stand, und die Schriftstellerin Mary Renault, die mit ihrer Partnerin Julie Mullard 1948 nach Südafrika gekommen war. Für Recherchen zu ihrer Cotton-Biografie reiste sie mehrmals nach England, wo sie in London oder bei ihrer Schwester Margot in Bicester House bei Oxford wohnte; mit ihr machte sie auch eine Reise durch Italien. Eine Reise in die USA führte sie durch die Neu England Staaten und nach New York.

Erst 1963 kehrte Hope Mirrlees nach England zurück und ließ sich in The Firs, einer viktorianischen Villa in Headington/Oxford nieder. Hier besuchten sie u. a. Valerie und T. S. Eliot, Winston Churchill, die Dichterin Mary Lacelles, und Mitglieder ihrer Familie, wie ihren Neffen Robin de La Lanne-Mirrlees, der ihr sehr nahe stand. Er beschreibt sie als Frau, deren Schönheit im Alter vielleicht verloren gegangen war, die aber noch immer diese wunderschönen Augen hatte; eine alte Frau, "die in einem netten Haus in Oxford lebt, umgeben von Bücherstapeln, die bis an die Decke reichen, und die über ihr Alter lacht" (Swanwick, Nachwort in "Flucht ins Feenland", S. 403)

Hope Mirrlees schrieb bis ins hohe Alter, sie konzentrierte sich auf biografische Arbeiten, und da vor allem auf die Biografie ihrer Lebensgefährtin Jane Harrison, die allerdings nie beendet wurde.

Die letzten Wochen ihres Lebens verbrachte Hope Mirrlees in einem Pflegeheim in Goring-on-Thames, wo sie mit einundneunzig Jahren starb. Ihr Grab befindet sich auf dem Friedhof der Kathedrale von Glasgow.

 

Hope Mirrlees ist weniger durch ihre Publikationen als durch ihren großen literarischen Freundeskreis bekannt geworden: dazu gehörten u. a. Vivien und T. S. Eliot, Duncan Grant, John Maynard Keynes, Molly und Desmond MacCarthy, Katherine Mansfield, Ottoline Morrell, Raymond Mortimer, Bertrand Russel, Fredegond Shove, Lytton Strachey und William Butler Yeats. Ottoline Morrell ernannte sie vor ihrem Tod zu einer ihrer literarischen Testamentvollstrecker.

Sie schrieb ein professionell veröffentlichtes Gedicht ("Paris. A Poem"), drei Romane, von denen nur einer, nämlich "Lud-in-the-mist", bedeutend war, eine Biografie und übersetzte aus dem Russischen. Mehrere Gedichte veröffentlichte sie im Selbstverlag und erst nach ihrer Wiederentdeckung in den 1970-er Jahren erschienen auch Sammlungen ihrer Gedichte.

1919 wurde ihr erster Roman "Madeleine. One of Love’s Jansenists" veröffentlicht, an dem sie mehrere Jahre geschrieben hatte und der schließlich nach einigen Absagen vom Verlag Collins veröffentlich wurde. Der Roman spielt im Frankreich des 17. Jahrhunderts und schildert die Besessenheit eines jungen Mädchens, in den Salon der Madame Scudery eingeladen zu werden. In ihrer neurotischen Vorstellung denkt sie sich Gespräche aus, Gespräche deren Inhalt sie aus den Romanen von Madeleine de Scudery hat, lange und ermüdende Gespräche - Hope Mirrlees: "Ich erspare dem Leser nichts". Madeleines übertriebene Erwartungen entsprachen allerdings nicht der Realität und auch die Hilfe einer jansenistischen Ordensschwester konnte sie nicht von ihrer Obsession befreien; sie endete in einem Heim für Geistesgestörte. Virginia Woolfs rezensierte das Buch zurückhaltend - "schwieriger und interessanter Roman" - in Times Literary Supplement (9. Oktober 1919), die Literaturwissenschaftlerin Julia Briggs sah in der Person der Madame Scudery Nathalie Barney, deren Pariser Salon Hope Mirrlees kannte, und in der Ordensschwester Jane Harrison.

Im darauf folgendem Jahr druckte die Hogarth Press als eine ihrer frühen Publikationen das avantgardistische Gedicht "Paris. A Poem"; das von Virginia Woolf handgesetzte und 23 Seiten starke Bändchen hatte eine Auflage von 175 Stück, der Buchumschlag war mit einem gold-blau-rotem rautenförmigen Muster bedruckt, der weiße Papiereinband hatte einen roten Aufdruck. Bei einem Großteil der Auflage korrigierte Virginia Woolf handschriftlich Setzfehler, wie z. B. die Jahreszahl auf der vorletzten Seiten von 1916 auf 1919.

Das Gedicht, eine visuelle Tagesreise durch Paris, ist - entgegen dem Zeitgeist der unmittelbaren Nachkriegszeit - überschwänglich und voll Lebensfreude, für Virginia Woolf ist es ein lesbisches Liebesgedicht, für T. S. Eliot könnte es Einfluss auf sein "Waste Land" gehabt haben. Der Text wurde teils enthusiastisch (Athenaeum, 21. Mai), teils ablehnend (Times Literary Supplement, 6. Mai) aufgenommen, der Verkauf gestaltete sich schleppend. Danach publizierte Hope Mirrlees über vierzig Jahre keine weiteren Gedichte. "Paris. A Poem" wurde nur einmal zu Mirrlees’ Lebzeiten nachgedruckt: 1973 im "Virginia Woolf Quarterly"; erst 2010 druckte Mark Tortorello eine kleine, typographisch kunstvoll gestaltete Neuauflage in seiner Pegana Press, 2011 wurde es in die "Collected Poems" aufgenommen.

Ihr zweiter Roman erschien 1924; "The Counterplot", ihrer Gefährtin Jane Harrison gewidmet, spielt nach dem Ersten Weltkrieg, ist im Südosten Englands angesiedelt und handelt von einer jungen Engländerin, die ihr Leben im begrenzten Familienverband, ihre Gefühle und Wünsche, in einem erotischen Stück verarbeitet: "The Key" spielt im Sevilla des 14. Jahrhunderts und ist im Stil dieser Zeit geschrieben. So wie in ihrem ersten Roman und ihrem dritten Roman ist auch hier am Ende des Textes eine Zeichnung der Konstellation des "Großen Bären" abgedruckt. Ein Jahr später 1925 wurde der Roman bei Alfred A. Knopf in den USA veröffentlicht.

Ebenfalls in der Hogarth Press erschien im November 1924 "Avvakum. The Life of the Archpriest Avvakum by Himself"; die Autobiographie des Erzpriesters Awwakum Petrow, der im 17. Jahrhundert eine wichtige Rolle für die altrussische Literatur spielte, wurde von Hope Mirrlees und Jane Harrison aus dem Kirchenslawischen, das mit volkssprachlichen Elementen vermischt war, übersetzt.

Eine weitere gemeinsame Übersetzung aus dem Russischen erschien 1926 bei der Nonesuch Press: "The Book of the Bear. Being Twenty-One Tales" war mit Zeichnungen von Ray Garnett illustriert, die mit mit dem Miteigentümer des Verlages, dem Schriftsteller David Garnett, verheiratet war.

1926 schließlich kam ihr erfolgreichster Roman heraus: "Lud-in-the Mist", der nach seiner Wiederentdeckung in den 1970-er Jahren zum Kultbuch und für viele Fantasy-Autoren, wie etwa Neil Gaiman, wegweisend wurde. "Flucht ins Feenland", Titel der 2003 erschienenen deutschen Ausgabe, ist ein Reisebericht, ein historischer Roman, eine Gesellschaftskomödie, eine Geistergeschichte, eine Detektivgeschichte. Der Roman, den Hope Mirrlees dem Andenken ihres Vaters widmete, handelt von zwei Welten, in der einen herrscht der illusionslose Alltag, in der anderen lebt die Phantasie; sie versuchte in einer wirkungsvollen und eindringlichen Sprache das Alltägliche und das Wunderbare ins Gleichgewicht zu bringen. Jane Harrison setzte einen kurzen Text an den Beginn des Buches:

"Wie es scheint, stehen die Sirenen sowohl im Altertum als auch in der Moderne für die noch sittenlosen Impulse des Lebens, für überwältigende Sehnsüchte, für die Verzückungen der Liebe, der Kunst oder der Philosophie - magische Stimmen, die einen Menschen aus dem 'Land der Herzenswünsche' rufen. Wenn er auf sie hört, kann es sein, daß er niemals zurückkehrt. Und es sind Stimmen, die weitersingen, ganz gleich, ob man weitersegelt oder innehält, um zu lauschen."

Nach einer langen Publikationspause erschien schließlich 1962 die Studie über den englischen Politiker Robert Bruce Cotton, der Anfang des 17. Jahrhunderts die Cotton Library gründete, eine der größten Privatsammlungen von Manuskripten. "A Fly in Amber: Beeing an Extravagant Biography of the Romantic Antiquary Sir Robert Bruce Cotton" erschien auf Betreiben ihres Freundes T. S. Eliot im Verlag Faber and Faber, zu dessen Leitung Eliot viele Jahre gehörte; Hope Mirrlees arbeitete danach an einem zweiten Band über Cotton, der Text wurde aber nie gefunden.

In Südafrika veröffentlichte Hope Mirrlees, die sich immer als Dichterin bezeichnet hat, erstmals nach "Paris. A Poem" ihre Gedichte in Privatdruck; das 18 Seiten starke Bändchen "Poems" erschien 1962 in der Gothic Printing Company in Kapstadt. Drei Jahre später erschienen wieder im Privatdruck siebzehn Gedichte unter dem Titel "Moods and Tensions", für die ihr langjähriger Freund, der Kunst- und Literaturkritiker Raymond Mortimer, eine Einführung schrieb. Eine erweiterte und teilweise überarbeitete Ausgabe von "Moods and Tensions" wurde schließlich 1976 in der Amate Press veröffentlicht. Eine Gesamtausgabe der Gedichte erschien 2011: "Collected Poems" wurde von der Literaturwissenschaftlerin Sandeep Parmar herausgegeben, die eine Reihe von unpublizierten Gedichten aus dem Nachlass von Hope Mirrlees im Newnham College den bereits veröffentlichten Gedichten hinzufügte; der Band enthält auch "Paris. A Poem", kommentiert von der Virginia Woolf-Forscherin Julia Briggs, sowie Essays, die von 1926 bis 1928 in verschiedenen Zeitschriften erschienen waren.

Keines ihrer Gedichte konnte jedoch an den radikalen Stil von "Paris. A Poem" herankommen; einige waren eher traditionell, einige reflektierten ihre Erfahrungen in Südafrika, einige waren vom Gedankengang her eindrucksvoll strikte.


Verwendete Literatur / Quellen:

J. Howard Woolmer: A Checklist of the Hogarth Press. 1917 - 1946. Woolmer/Brotherson Ltd., Revere, Pennsylvania 1986

Virginia Woolf: Tagebücher 1, 1915 - 1919. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1990

Virginia Woolf: Tagebücher 2, 1920 - 1924. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1994

Hope Mirrlees: Flucht ins Feenland. Piper Verlag, München / Zürich 2004

Neil Gaiman: Vorwort zu "Flucht ins Feenland". Piper Verlag, München / Zürich 2004

Michael Swanwick: Nachwort zu "Flucht ins Feenland". Piper Verlag, München / Zürich 2004

Hope Mirrlees: Collected Poems. Edited with an Introduction by Sandeep Parmar. Carcanet Press Ltd., Manchester 2011 / ebook Edition 2012

Elizabeth Willson Gordon: Woolf's-head Publishing. The Highlights and New Lights of the Hogarth Press. University of Alberta Libraries, 2009

Burke's Genealogical and Heraldic History of the Landed Gentry. Burke's Perage LTd., London 1952

en.wikipedia.org/wiki/Hope_Mirrlees

hopemirrlees.com/

thepeerage.com

orlando.cambridge.org/public/svPeople?formname=r&person_id=mirrho&heading=c

www.facsimiledustjackets.com

www.phantastik-couch.de/hope-mirrlees.html

en.wikipedia.org/wiki/The_Counterplot

www.unz.org/Pub/MirrleesHope-1925

www.peganapress.com/hope-mirrlees-paris.html

www.headington.org.uk/history/famous_people/index.htm

 

Für weitere Informationen über die Familiengeschichte von Hope Mirrlees danke ich ihrem Großneffen, Rechtsanwalt Patrick de La Lanne. In seinem Besitz befindet sich ein unveröffentlichtes Manuskript von Hope Mirrlees über die Familie Moncrieff.

 

Foto Hope Mirrlees und Jane Harrison in Paris 1915:

www.newn.cam.ac.uk/newnham-news/forgotten-newnham-poet-celebrated-in-bbc-documentary/

Hope Mirrlees Porträt von Simon Bussy:

Frances Spalding: Virginia Woolf. Art, Life and Vison. National Portrait Gallery, London 2014, S. 95

William Julius Mirrlees war Ingenieur und stammte aus einer Großindustriellen- Familie, die Zuckerraffinademaschinen und später Dieselmotoren in Glasgow herstellte; Mirrlees Diesel Engines wurden sowohl in der Landwirtschaft als auch in der Schifffahrt und für den Bahnverkehr  verwendet - eine Lok ist heute noch in Betrieb. Darüber hinaus war Mirrlees gemeinsam mit D. Ballingall Patentinhaber für einen Verdampfungsapparat von Flüssigkeiten, Mitbegründer einer Zuckerproduktion in Südafrika und Herausgeber der südafrikanischen Wochenzeitung The Mosquito and African Sketch.

Emily Lina Mirrlees sammelte mit ihrer Tochter Margot  im Freundes- und Verwandtenkreis Rezepte, deren Zutaten in der Nachkriegszeit oft nicht erhältlich waren: "Wunschkochen" . "Wishful Cooking" erschien 1949 im Londoner Verlag Faber & Faber.

Hope Mirrlees und Jane Harrison 1915 in Paris

Quelle: Newnham College

 

Hope Mirrlees um 1919; Porträt von Simon Bussy

Der französische Maler Simon Bussy (1870 - 1954) war mit Dorothy Strachey verheiratet und lebte mit ihr viele Jahre in Roquebrune bei Monaco; ihr Haus "La Souco" wurde Treffpunkt für Künstler, Schriftsteller und Intellektuelle wie Vanessa Bell, Roger Fry, Mark Gertler, Duncan Grant, Virginia Woolf und andere aus dem Bloomsbury  Kreis.

 

An ihrem ersten Roman schrieb Hope Mirrlees einige Jahre. Nach einigen Absagen veröffentlichte schließlich William Collins den Text. Die Rezensionen waren zurückhaltend, Mirrlees selbst hielt später wenig von ihrem Roman: ein Durcheinander von Wissen, das die Poesie erstickte.

Obwohl im Impressum 1919 als Jahr der Veröffentlichung angegeben ist, erschien "Paris. A Poem" im Mai 1920; andere Setzfehler wurden in einem Großteil der Auflage von Virginia Woolf handschriftlich korrigiert. Hope Mirrlees verstand sich zwar immer als Dichterin, veröffentlichte aber nach "Paris" über vierzig Jahre keine weiteren Gedichte.

"The Counterplot" widmete Hope Mirrlees ihrer Gefährtin Jane Harrison. Das über 300 Seiten starke Buch wurde u. a. von Christopher Isherwood positiv angenommen, Jahre später spricht er noch über den prägenden Einfluß des Romans auf sein Leben.

Im Hotel de Londres wohnten u. a. Vanessa Bell, Duncan Grant, Clive Bell bei ihren Paris Aufenthalten; auch Virginia Woolf und Vita Sackville-West übernachteten hier bei ihrer Frankreichreise 1928. Hope Mirrlees und Jane Harrison übersiedelten vom Hotel in den American University Women's Club, der ihnen mehr Annehmlichkeiten bot. 

"Lud-in-the-Mist" war Hope Mirrlees' erfolgreichster Roman und wurde in den 70-er Jahren zum Kultbuch im Fantasy-Bereich. In der Einleitung zur deutschen Ausgabe bezeichnet Neil Gaiman das Buch als kleines goldenes Wunder, in dem es in erster Linie um Aussöhnung geht, eine Aussöhnung, die das Alltägliche und das Wunderbare ins Gleichgewicht bringt.

Während ihres Paris-Aufenthaltes konzentrierten sich Hope Mirrlees und Jane Harrison auf das Studium der russischen Sprache und Kultur und begannen mit Übersetzungen: 1924 erschien in der Hogarth Press die Autobiografie des Priesters Awwakum Petrow, einem bedeutenden Vertreter der altrussischen Literatur. 1926 wurde "The Book of the Bear" veröffentlicht, einundzwanzig russische Märchen, illustriert von Ray Garnett. 

Hope Mirrlees 1931 (Foto: Ottoline Morrell) / The Shambles

Ab 1928 lebte Hope Mirrlees gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Tante in London oder in Shamley Green. Nach dem Tod von Emily Lina Mirrlees 1948 übersiedelte sie nach Stellenbosch / Südafrika und kehrte erst 1963 endgültig nach England zurück.

Nach ihrer Rückkehr  bewohnte sie bis zu ihrem Lebensende die Villa "The Firs" in Headington / Oxford.

Die Arbeit an Hope Mirrlees' Studie über Robert Bruce Cotton zog sich über Jahre: bereits 1946 wurde sie dem Verlag als fast fertig vorgestellt, erschienen ist sie schließlich 1962. Das Buch - eigentlich nur der erste Band einer Cotton Biografie - wurde von T. S. Eliot dreimal korrigiert und wieder erspart sie dem Leser nichts: der Text ist trocken und schwierig, dementsprechend waren auch die negativen Kritiken.

 

Michael Swanwicks "Hope-in-the-Mist. The Extraordinary Career and Mysterious Life of Hope Mirrlees" erschien 2009 bei Temporary Culture in Upper Montclair, NJ. Für die deutsche Ausgabe von "Lud-in-the-Mist" veröffentlichte er bereits 2004 ein 70-seitiges  Nachwort  zu Leben und Werk von Hope Mirrlees.


Hope Mirrlees - Veröffentlichungen:

Madeleine. One of Love's Jansenists. William Collins, London 1919

Paris: A Poem. Hogarth Press, London 1920

The Counterplot. William Collins, London 1924 / Alfred A. Knopf, New York 1925

Lud-in-the-Mist. William Collins, London 1926 / Alfred A. Knopf, New York 1927

A Fly in Amber. Being an Extravagant Biography of the Romantic Antiquary Sir Robert Bruce Cotton. Faber and Faber, London 1962

Poems. Privately Printed, Cape Town 1962

Moods and Tensions. Seventeen Poems. Privately Printed, 1965

Moods and Tensions. Poems. Amate Press, Oxford 1976

Collected Poems. Edited by Sandeep Parmar. Fyfield Books, Carcanet Press, 2011

 

Hope Mirrlees - Beiträge in Zeitschriften (Auswahl):

"Solid Objects". In: Athenaeum, 22 October 1920

"Quelques aspects de l’art d’Alexis Mikhailovich Remizov". In: Le Journal de Psychologie Normale et Pathologique, 15 January - March 15, 1926

"Listening in to the Past". In: The Nation & Athenaeum, 11 September 1926

"An Earthly Paradise". In: Time & Tide, 25 February 1927

"The Religion of Women". In: The Nation & Athenaeum, 28 May 1927

"Gothic Dreams". In: The Nation & Athenaeum, 3 March 1928

"Bedside Books". In: Life and Letters, June-December 1928

 

Hope Mirrlees - Übersetzungen (gemeinsam mit Jane Harrison):

Avvakum. The Life of Archpriest Avvakum by Himself. Translated from the Seventeenth Century Russian by Jane Harrison and Hope Mirrlees, with a Preface by Prince D. S. Mirsky. Hogarth Press, London 1924 / 1963

The Book of the Bear. Being Twenty-one Tales newly translated from the Russian. With pictures by Ray Garnett. Nonesuch, London 1926