MARGARET STEVENSON MILLER

1896 - 1979

 

Wirtschaftswissenschaftlerin, Frauenrechtlerin

 

 

Margaret Stevenson Miller studierte an der Universität von Edinburgh und machte 1925 - als erste Studentin - ihren Doktor am Londoner King's College, Abteilung für slawische und osteuropäische Studien; sie war mit Beatrice Webb befreundet und hatte mit ihr einen regen Briefwechsel.

Ab 1928 arbeitete sie als Dozentin im Department of Commerce an der Universität von Liverpool; vor ihrer Heirat mit ihrem Kollegen Charles Douglas Campbell wollte sie sich noch absichern, weiter unterrichten zu können, da sie für ihre alte Mutter, die in Kalifornien lebte, monatliche Verpflichtungen hatte. Trotz gegenteiliger Versicherungen musste sie nach der Hochzeit ihre Arbeit aufgeben: obwohl im Prinzip verheiratete Frauen an britischen Universitäten arbeiten konnten, wurde an der Universität Liverpool im Februar 1933 ein außerordentliches Arbeitsverbot für verheiratete Frauen erlassen.

Margaret Miller hatte sich schon in den 20-er Jahren für Frauenrechte eingesetzt, sie hielt Vorträge vor Liverpooler Frauenvereinigungen, schrieb Beiträge über die Beschäftigungsverhältnisse von Frauen, über die wirtschaftliche Stellung von verheirateten Frauen und schloss sich der Six Point Group (Lady Rhondda, Winifred Holtby, Vera Britain u. a.) an, die 1921 gegründet worden war und für die Gleichberechtigung von Frauen eintrat.

Proteste durch Frauenorganisationen wie Six Point Group und The British Federation of University Women führten zu einer Kampagne, die das Recht für verheiratete Frauen forderte, zu arbeiten und zu verdienen. Obwohl die Universität Liverpool 1934 das Verbot zurücknahm, wurde Margaret Miller nicht wieder eingestellt.

Während des Zweiten Weltkrieges arbeitete Margaret Miller als Forschungs-Strategin für sowjetische Angelegenheiten im Foreign Office's Foreign Research and Press Service in Oxford, danach im Office of Strategic Studies in Washington, wo sie auch an der George Washington University Vorlesungen hielt; nach dem Krieg war sie kurz im Foreign Office's Economic Intelligence Department beschäftigt.

Sie kehrte nicht mehr an eine Universität zurück und arbeitete bis zu ihrer Pensionierung in führender Stellung in der Central Electricity Authority, schrieb aber weiterhin zu ihrem Schwerpunktthema, hielt Vorträge im Radio und bereiste die Sowjetunion.

Margaret Stevenson Miller lebte - verwitwet - im Londoner Bezirk Streatham (4 Belltrees Grove) und vermachte ihr Haus samt Inhalt Jean und Mary Ross, mit denen sie befreundet war.

 

Margaret Millers Hauptforschungsgebiet war Russland, ein Land dem sie Interesse und Sympathie entgegenbrachte und das sie auch mehrmals bereiste. 1926, kurz nach Abschluss ihres Studiums, wurde ihre Analyse der russischen Wirtschaft vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges veröffentlicht: "The Economic Development of Russia 1905 - 1914". Die einzelnen Abschnitte zu Handel, Finanzen, Transportwege und Industrie wurden durch Statistiken sowohl mit russischen als auch internationalen Quellen belegt und die umfangreiche Materialsammlung wurde in einem Abschlusskapitel erklärend zusammengefasst. Für die - mit einer aktuellen Bibliographie versehene - Neuauflage 1967 verfasste sie eine umfangreiche Einleitung, die auf neue wirtschaftliche und politische Entwicklungen einging.

Dem Interessengebiet Leonard Woolfs entsprechend, veröffentlichte die Hogarth Press im Oktober 1933 das gemeinsam mit ihrem Mann Douglas Campbell verfasste Buch "Financial Democracy" in einer Auflage von 1.000 Stück, von denen nur 500 verkauft wurden - der Rest wurde eingestampft.

Für die britische Association for Labour Legislation schrieb sie 1942 einen Bericht über die Rolle der Gewerkschaften in der Sowjetunion; die Gewerkschafterin und Sozialreformerin Gertrude Tuckwell verfasste das Vorwort. Ihre grundsätzliche Studie über Reformen erschien 1965: "Rise of the Russian Consumer".


Verwendete Literatur / Quellen:

J. Howard Woolmer: A Checklist of the Hogarth Press. 1917 - 1946. Woolmer/Brotherson Ltd., Revere, Pennsylvania 1986

Jennifer Clarke: Campaign for the Right of the Married Women to Earn: The Case of Margaret Stevenson Miller. CreateSpace Independent Publishing Platform, 2016

en.wikipedia.org/wiki/Margaret_Stevenson_Miller

archives.ucl.ac.uk/ (Suche: Margaret Miller)

archiveshub.ac.uk/data/gb106-7msm

www.ssees.ucl.ac.uk/archives/mil.htm

www.jstor.org/stable/754781?seq=1#page_scan_tab_contents

www.thegazette.co.uk/London/issue/47488/page/3309/data.pdf

"Financial Democracy" erschien in der Hogarth Press 1933; der Buchumschlag wurde von dem Illustrator Richard Kennedy entworfen, der als 16-jähriger 1926 in der Hogarth Press gearbeitet hatte.

 

Jennifer Clarke untersuchte in ihrer Studie am Fall von Margaret Miller das von der Universität Liverpool erlassene Arbeitsverbot für verheiratete Frauen, die darauf folgenden Kampagnen und schließlich die Wiederaufhebung des Verbotes.


Margaret Miller - Veröffentlichungen (Auswahl):

The Economic Development of Russia, 1905 - 1914. With Special Reference to Trade, Industry and Finance. P. S. King & Son, London 1926 / Frank Cass & Co., London 1967

"Women in the Worlds of Commerce". In: Incorporated Secretaries' Journal, June 1927

"The Five Year Plan". In: The New Russia: Eight Talks Broadcast by H. R. Knickerbocker, Sir John Russell, Sir Bernard Pares, Dr. Margaret S. Miller, B. Mouat Jones, Stafford Talbot, Frank Owen, H. G. Wells. Faber and Faber, London 1931

With Charles Douglas Campbell: Financial Democracy. Hogarth Press, London 1933

Labour in the USSR. With Foreword by Gertrude M. Tuckwell. British Association for Labour Legislation, London 1942

With Teresa M. Piotrowicz, Ljubo Sirc, Henry Smith: Communist Economy under Change. Studies in the Theory and Practice of Markets and Competition in Russia, Poland and Yugoslavia. Published for the Institute of Economic Affairs by Andre Deutsch, London 1963

Rise of the Russian Consumer. Institute of Economic Affairs, London 1965

"Soviet Agriculture: The Way Ahead". In: The World Today, Vol. 26, No. 12. 1970