MARGARET THOMAS

23. August 1907 - 2011

 

Schriftstellerin, Dichterin

 

 

Margaret Ellen (Tom) Thomas war die Tochter von Annie, geb. Whitmarsh Phelps, und Frederick Bevan Thomas und wurde in Saidpur/Bangladesch geboren, wo ihr Vater Eisenbahningenieur war. Sie besuchte die Clifton High School in Bristol und von 1926 bis 1930 das Girton College in Cambridge. In Girton studierte sie zuerst mit einem Stipendium Altphilologie, danach Geisteswissenschaften und schloss mit dem Bachelor ab.

Gemeinsam mit anderen Studentinnen lud sie Virginia Woolf zu einem Vortrag vor der ODTAA Society (= One Damn Thing After Another) ein: am 26. Oktober 1928 hielt Woolf ihren Vortrag "Women and Fiction" und schrieb am folgenden Tag in ihr Tagebuch:

"Ausgehungerte aber tapfere junge Frauen - das ist mein Eindruck. Intelligent eifrig arm; & dazu bestimmt, in Schwärmen Schulmeisterinnen zu werden. Ich sagte ihnen kühl, sie sollen Wein trinken & ein Zimmer für sich allein haben."

Den Vortagstext erweiterte Virginia Woolf zu ihrem großen Essay "A Room of One's Own", der 1929 erschien und der sie zu einer Symbolfigur des Feminismus werden ließ.

Margaret Thomas kontaktierte kurz vor Abschluss ihres Studiums Virginia Woolf und die Hogarth Press mit dem Plan für einen Sammelband mit Gedichten von Cambridger Studentinnen; 1931 erschien die von ihr herausgegeben Anthologie, in der sie auch mit drei Gedichten vertreten war. In ihrem Vorwort - und das ist bemerkenswert - benutzte sie eine gegenderte Form für Dichter und Student: poetess und undergraduette.

Im Juli 1931 heiratete sie den Geophysiker und Sohn einer Brauerei-Familie in Norwich, Edward (Teddy) Crisp Bullard, später Sir Edward Bullard, der ebenfalls in Cambridge studierte und im Cavendish Institute forschte. Sie bauten ein Haus in Cambridge (19 Clarkson Road) und bekamen vier Töchter: Belinda, die später in Girton Biochemie studierte, die Zwillinge Emily und Henrietta, und Polly.

Margaret zeigte großes Interesse an der Arbeit ihres Mannes, führte seine Forschungs-Notizbücher, beteiligte sich an Messungen von Wärmeleitfähigkeit und trug wesentlich zu seinem beruflichen Erfolg bei. Sie begleitete ihn 1933/34 auf einer - manchmal abenteuerlichen - Forschungsreise durch Afrika, wo er am Großen Afrikanischen Grabenbruch Messungen durchführte, 1939 nach Südafrika und in die USA.

Nachdem Bullard eine Professorenstelle für Physik in Toronto angeboten worden war, übersiedelte die Familie 1948 nach Kanada; obwohl sie in der idyllischen Künstlerkolonie "Wychwood Park" wohnten, konnten sie nicht heimisch werden und Margaret kehrte mit den vier Töchtern im November 1949 auf der Franconia, einem Schiff der Cunard Line, nach England zurück: Bullard folgte kurz darauf und wurde 1950 Direktor des National Physical Laboratory in Teddington/London, eine Stelle die er bis 1955 einnahm; danach hatte er bis zu seiner Pensionierung 1974 einen Lehrstuhl in Cambridge. In den Sommermonaten lehrte er in Kalifornien, wo er an der Universität in San Diego eine Professur hatte und im San Geronimo Oceanographic Institute in La Jolla lehrte und forschte.

Nach seiner Pensionierung in Cambridge ging er nach Kalifornien zurück, Margaret blieb in Cambridge; die Ehe wurde im Jänner 1974 geschieden.

 

Margaret Bullard schrieb - neben ihrer Mithilfe an der wissenschaftlichen Arbeit ihres Mannes - weiterhin Texte und veröffentlichte nach ihrer Rückkehr aus Kanada drei Romane mit autobiografischen Hintergrund: "Wedlock's the Devil" (1951), "A Perch in Paradise" (1952) und "Love Goes West" (1952).

"A Perch in Paradise", begonnen während ihres Studiums, ist ein ironischer Blick auf das freizügige Cambridger akademische Leben und löste einen kleinen Skandal aus, da sich einige Personen darin wiedererkannten; sie schickte das Buch an Bertrand Russell, mit der Bemerkung, dass auch er in dem Roman - respektvoll - erwähnt sei. Russell fand das Buch amüsant und schrieb ihr, dass sich offensichtlich viel seit seiner Studentenzeit, besonders hinsichtlich sexueller Freizügigkeit, geändert habe.

In dem satirischen Roman "Wedlock's the Devil" beschreibt sie - wütend und scharfzüngig - das städtische Leben in Toronto = New Glasgow, wo sie mit ihrem Mann und den Kindern in Wychwood Park lebte, einer 1874 gegründeten Künstlerkolonie.

"Love Goes West" ist im kalifornischen La Jolla angesiedelt und schildert die Beziehungsverwirrungen und Missgeschicke eines nicht konfliktfreien Ehepaares, die durch einen Flutwelle am Ende des Romans irgendwie bereinigt werden.


Literatur- und Quellenverzeichnis:

J. Howard Woolmer: A Checklist of the Hogarth Press. 1917 - 1946. Woolmer/Brotherson Ltd., Revere, Pennsylvania 1986

Virginia Woolf: Tagebücher 3, 1925 - 1930, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1999

Girton College Register 1869 - 1946. Cambridge 1948

The Dictionary of National Biography. 1971 - 1980. Ed. by Lord Blake and C. S. Nicholls. Oxford University Press, 1986 (Suche: Edward Crisp Bullard / digitalisiert: archive.org)

James D. Watson, Alexander Gann, Jan Witkowski: The Annotated and Illustrated Double Helix. Simon and Schuster, 2012

James D. Watson: Genes, Girls and Gamow. Oxford University Press, Oxford 2003

John Robert Colombo: Canadian Literary Landmarks. Dundurn, 1984

issuu.com/girtoncollege/docs/annualreview2011/120

mulpress.mcmaster.ca/russelljournal/article/viewFile/1878/1904

legacy.sandiegouniontribune.com/news/science/scripps/20030924-9999_1c24singular.html

scilib.ucsd.edu/sio/hist/Brueggeman_SIO_in_fiction.pdf

prabook.com/web/person-view.html?profileId=1103381

janus.lib.cam.ac.uk/db/node.xsp?id=EAD%2FGBR%2F0271%2FGCRF%209%2F1%2F34

Der von Margaret Thomas herausgegebene Sammelband "An Anthology of Cambridge Women's Verse" enthält Gedichte von Margaret Diggle, Gwendolen Freeman, Jocelyne Gibson, Alethea Graham, Muriel Hardill, Morwenna Lyne, Helen Megaw, E. E. Phare, F.  Picot, Kathleen Raine und Margaret Thomas; drei Autorinnen, alle Studentinnen von Newnham, zeichneten mit ihren Initialen: E. S. D. H., M. N., A. D. W. Der Umschlagentwurf stammt von Virginia Woolfs Schwester Vanessa Bell.

In ihren autobiografisch gefärbten Romanen schildert Margaret (Thomas) Bullard satirisch, witzig, aber auch scharfzüngig und wütend das Leben in Cambridge, Toronto und San Diego, wobei in manchen Charakteren die realen Vorbilder erkennbar waren.


Margaret Thomas / Margaret Bullard - Veröffentlichungen:

"Three Songs: 1. They Declare, the Wise and Wary / 2. Go Faithful, Heart / 3. A Year Ago He met Me". In: An Anthology of Cambridge Women’s Verse. Compiled by Margaret Thomas. Hogarth Living Poets, First Series, No. 20. Hogarth Press, London 1931

Wedlock's the Devil. Hamish Hamilton, London 1951

A Perch in Paradise. Hamish Hamilton, London 1952

Love Goes West. An Entertainment. Hamish Hamilton, London 1953