06. März 1906 - April 1960
Malerin, Übersetzerin, Autorin
Jane Simone (Janie) Bussy wurde 1906 in Frankreich geboren und war die Tochter und das einzige Kind von Dorothy Strachey-Bussy (1865-1960) und Simon Albert Bussy (1870-1954). Ihre Mutter stand dem Bloomsbury Kreis nahe - sie war eine Schwester von Lytton Strachey und eine Freundin von Virginia Woolf -, schrieb den 1949 in der Hogarth Press anonym erschienenen autobiografischen Roman "Olivia", veröffentlichte 1907 eine Biografie über Eugene Delacroix, übersetzte u.a. Biografien von Diego Velázquez, Antoine Watteau und Werke von Andre Gide ins Englische und hatte hervorragende Grammatikkenntnisse. Janies Vater stammte aus einer Schuhmacherfamilie in Dole; er besuchte die lokale Kunstschule und danach mit einem Stipendium die École des beaux-arts de Paris, wo er sich mit Henri Matisse anfreundete. Bei einem Aufenthalt in England 1901 lernte Simon Bussy Dorothy Strachey kennen; 1903 heirateten die beiden und übersiedelten nach Roquebrune an der Südküste Frankreichs. Sie kauften mit einer großzügigen Unterstützung durch Dorothys Vater, Sir Richard Strachey, "La Souco", ein Haus das für Lytton Strachey, der sie im April 1904 besuchte, die beste Aussicht von ganz Europa hatte.
La Souco wurde bald zum Treffpunkt für französische und englischen Intellektuelle, Kunst- und Kulturschaffende: BesucherInnen - um nur einige zu nennen - waren Simons alter Freund Henri Matisse, der regelmäßig am Sonntag pünktlich um halb fünf zum Tee kam, der belgische Maler Jean Vanden Eeckhoudt - ebenfalls ein Freund von Simon -, der mit seiner Familie in der Nachbarschaft wohnte, Andre Gide, mit dem Dorothy eine enge und komplizierte Freundschaft verband, Paul Valery, Roger Fry, Vanessa Bell und Duncan Grant, Virginia und Leonard Woolf, Mark Gertler, Gwen und Jacques Raverat, Bernard Berenson. Auch die zahlreichen Mitglieder der großen Strachey-Familie besuchten regelmäßig die Bussys oder sahen in La Souco einen Ort, an den man sich zurückziehen konnte: so suchte Janies Cousine Julia Strachey - in schwierigen familiären Verhältnissen aufgewachsen - 1925 nach einem Nervenzusammenbruch Zuflucht in La Souco; 1930 und 1931 zog sie sich wieder hier zurück, um ihren heiteren und bitterbösen Roman "Cheerful Weather for the Wedding" (dt.: "Heiteres Wetter zur Hochzeit") zu Ende zu schreiben (siehe Eintrag "Julia Strachey"). Bei ihrer Tante Dorothy fand sie einen Ort, an dem sie ungestört schreiben konnte, trotzdem beschwerte sie sich bei ihrem damaligen Ehemann Stephen Tomlin und meinte: „schreckliche Tees! Nichts als Marmelade und etwas, das sie Kuchen nennen, aber in Wirklichkeit kondensiertes Mückennetz mit Johannisbeeren darin ist."
In diesem Umfeld, in dem Literatur und Malerei einen hohen Stellenwert hatten, wuchs Janie auf; sie besuchte keine öffentliche Schule sondern wurde gemeinsam mit ihrer Freundin und Nachbarin, der vier Jahre älteren Julienne "Zoum" Vanden Eeckhoudt (verh. Zoum Walter) von ihrer Mutter unterrichtet, die als Lehrerin bei der Feministin und Menschenrechtsaktivistin Marie Souvestre in Allenswood bei London gearbeitet hatte - eine ihrer Schülerinnen war damals Eleanor Roosevelt gewesen.
Einen Teil des Jahres - von Ende Mai bis Ende September - verbrachte die Familie Bussy regelmäßig in England. Hier wohnten sie im Londoner Haus der Stracheys in Lancaster Gate, dann in Hampstead und später am Gordon Square 51; am Gordon Square 50 lebte Virginia Woolfs Schwester Vanessa Bell mit ihrer Familie; ihr Sohn Quentin und Janie wurden um 1920 täglich zum Unterricht bei Rose Paul am Mecklenburg Square geschickt; Miss Paul, eine entfernte Verwandte der Stracheys, war eine ehemalige Lehrerin und Kennerin der griechischen Kultur. Janies Mutter wollte, dass Janie lernte, Inhaltsangaben zu schreiben - Miss Paul allerdings schätzte ihre mathematische Begabung. Quentin, zehn Jahre und sich selbst hässlich findend, und Janie, eine schüchterne angehende junge Dame, hatten anfangs nicht viele Gemeinsamkeiten, eines jedoch verband sie: am Weg zu ihrer Unterrichtsstunde blieben sie immer bewundernd und schweigend am Grab der Anna Cromwell - Enkelin von Oliver Cromwell - in St. George's Garden stehen. Mit der Zeit entwickelte sich eine langjährige Freundschaft zwischen den beiden. In dieser Zeit hatte Janie auch eine Romanze mit ihrem um acht Jahre älteren Cousin Vincent Rendel, Sohn von Dorothys Schwester Elinor, mit dem sie die Liebe zur Poesie verband.
Janie war äußerst sprachbegabt; zweisprachig aufgewachsen und durch die zahlreichen Reisen mit ihren Eltern auch mit anderen Sprachen vertraut, übersetzte sie - mit nicht einmal zwanzig Jahren - gemeinsam mit André Maurois David Garnetts Roman "Lady into Fox" ins Französische oder einen Essay von Clive Bell über Henri Matisse. Virginia Woolf wandte sich 1924 an Janies Mutter, ob es möglich wäre, dass Janie "Jacobs Room" für das Monatsmagazin "Europe" übersetzt - daraus wurde allerdings nichts, da die Revue Francaise "Jacobs Room" publizieren wollte und ihren eigenen Übersetzer dafür hatte. Auch nach einer Übersetzung des "Orlando" von Charles Mauron ins Französische, die für Virginia teilweise zu sehr nach Mauron klang, wandte sie sich an Janie und ersuchte sie, Textstellen zu überprüfen.
Virginia Woolf, die zwar französische Texte gut lesen konnte, musste bei ihren Frankreich-Aufenthalten feststellen, dass ihre Fähigkeit sprachlich zu kommunizieren gering war; sie kontaktierte Janie und nahm bei ihr - gegen Bezahlung - im sehr heißen Sommer 1934 Stunden in französischer Konversation. Virginia war von Janies Charme / Charakter / Menschlichkeit beeindruckt und begeistert, sie hielt Janie für die mit Abstand Beste der jüngeren Bloomsbury Generation und war damit mit ihrer Schwester Vanessa einer Meinung; bei Virginia ging es sogar soweit, dass sie eine Verbindung Janies mit Vanessas Sohn Julian andachte.
Janie entwickelte einen scharfen Verstand und konnte sich prägnant ausdrücken. Dorothy Bussy war überzeugt, dass ihre Tochter das geerbt hatte, was sie als ihre eigene „Unartikuliertheit“ bezeichnete: beide konnten sich sehr gut artikulieren, wenn es um Dinge ging, über die man reden konnte, aber Gefühle gehörten nicht in diese Kategorie. Janie interessierte sich sehr für Politik, war immer links orientiert, zeitweise sogar Kommunistin. Als Quentin Bell 1934 zu Gast bei den Bussys war, lernte er hier zu seinem Erstaunen die nicht nur hochgebildete und belesene sondern auch sehr politisierte Familie näher kennen: Janie bewunderte Leo Trotzki und studierte intensiv die marxistische Lehre, war mit den „Thesen über Feuerbach“ von Karl Marx und Lenins Empiriokritizismus vertraut und las deutsche und russische Schriften. In einer Reihe von Briefen bemühte sie sich, Quentin Bell zu überzeugen, die Kommunistische Partei zu unterstützen, die er offenbar nicht so ernst nehmen konnte, wie Janie es sich wünschte. Politisch näher stand sie Quentin Bells älteren Bruder Julian: darüber hinaus verband sie mit ihm auch das gemeinsame Interesse an englischer und französischer Literatur. In den 1940er Jahren schrieb ihr Julian, der sich in China aufhielt, dass er - wenn er Hitler überlebe - sich schon darauf freue, mit ihr gemeinsam eine „Chronique Scandaleuse“ von Bloomsbury herauszugeben. (Spalding: Vanessa Bell, S. 307) Aus diesem Vorhaben wurde leider nichts: Julian Bell starb bei einem Einsatz als Fahrer eines Sanitätswagens der britischen Einheit Spanish Medical Aid im Juli 1937.
Gemeinsam mit dem Schriftsteller Francois Walter - Herausgeber der französischen Zeitschrift "Vigilance" und Ehemann ihrer Freundin Zoum Vanden Eeckhoudt - stellte sie im Oktober 1935 den Woolfs die in Frankreich neu gegründete Gruppe der antifaschistischen Intellektuellen (Comité de vigilance des intellectuels antifascists) vor und hoffte auf Unterstützung durch die englischen Intellektuellen.
Für Vanessa Bell gehörte Janie zu einer der nettesten und intelligentesten der jüngeren Bloomsbury-Generation und sowohl sie als auch Duncan Grant schätzten ihren scharfsinnigen Verstand, ihr bissigen Humor und ihre Liebe zur Malerei, aber auch ihre Herzlichkeit und ihre Freude an Spaß.
Während der jährlichen Englandaufenthalte verbrachte Janie viel Zeit mit Vanessa Bells Kindern Julian, Quentin und Angelica in Charleston Farmhouse (Sussex). Der Garten von Charleston war für Janie - wie sie nach dem Zweiten Weltkrieg schrieb - ein Fleck auf der Welt, der unverändert bestehen blieb. 1935 führten sie hier ein Stück über Damon und Phyllis auf, ein Schauspiel in Versform, das Angelica geschrieben hatte.
(Foto: www.tate.org.uk/art/archive/items/tga-9020-11-36/black-and-white-negative-of-julian-bell-janie-bussey-quentin-bell-and-angelica-bell-in).
Trotz der angespannten politischen europäischen Lage fanden in Charleston weiterhin Theateraufführungen und Lesungen statt, zu denen auch Janie ihren Beitrag leistete: so schrieb sie 1936 gemeinsam mit Quentin Bell ein Stück über ein im Jahr 2036 stattfindendes Fest, zu dem amerikanische und französische Touristen eingeladen waren ("A Guided Tour"); Quentin trat als unförmige, stark geschminkte Frau mit Hut und Pelzmantel auf - eine gewisse Ähnlichkeit mit Janies Tante Marjorie Strachey war nicht zu leugnen - und Janie spielte eine Französin, die dringend aufs WC musste, während ihr Quentin unermüdlich die ehemaligen BewohnerInnen von Charleston erklärte und ihre Gemälde, Möbelstücke, Andenken zeigte. Virginia und Leonard Woolf stellten Bücherregale dar, gefüllt mit den Büchern ihres Verlages
(Foto: Janie und Quentin: www.tate-images.com/m00624-Photograph-of-Quentin-Bell-and-Janie-Bussy-taken.html).
Nach einem Sommerabschlussfest für die Hausbewohner von Charleston und für Virginia und Leonard Woolf, Lydia und Maynard Keynes, Janie Bussy und ihr Cousin Christopher Strachey am 30. August 1939 präsentierten Janie und Quentin im Studio ein kleines Stück, das die beiden zusammen verfasst hatten.
Obwohl Janies Vater Simon Bussy in den 1920er und 1930er Jahren erfolgreich war, nahm Ende der 1930er Jahre das Interesse an seinen Bildern ab und die finanzielle Situation der Familie wurde immer schwieriger. Da es Simon Bussy auch gesundheitlich nicht gut ging und La Souco mit seinen vielen Ebenen beschwerlich wurde, vermieteten sie das Haus - u.a. an Andre Malraux und seine Familie - und mieteten im März 1937 eine Wohnung im "Semiramis" in der Rue Verdi in Nizza; auch hier kam Henri Matisse, der in der Nähe wohnte, zuerst jeden Sonntag, dann fast täglich um Punkt halb fünf zum Tee.
Janie war während des Zweiten Weltkrieges weiter politisch aktiv, sie und ihre Familie waren heftige Gegner der Kollaboration, halfen jüdischen Flüchtlingen, sprachen aber bei ihren späteren Aufenthalten in England nicht viel über diese Jahre, in denen sie in ständiger Gefahr lebten. Ihre genauen Aktivitäten sind unklar, Janie hatte aber die Verantwortung für eine geheime Druckerpresse und meinte, dass die Gestapo zu dumm gewesen sei, in Haushalten wie dem der Bussys nachzuforschen, wo sie jede Menge Beweise gefunden hätte. Quentin Bell schrieb sie über das bedrückende Leben in Nizza unter der Gestapo, über die schlechte Ernährungslage und dass sie manchmal nichts außer Brot und Rosinen zu essen hatten. In dieser Krise wirkten die Amerikaner, die in Nizza eintrafen, wie Hollywood-Helden, da sie zumindest keine Nazis waren. Auch Dorothy Bussy berichtete ihrer Schwester Pippa und ihrer Schwägerin Ray Strachey detailliert über das schwieriges Leben in dieser Zeit: es fehlte an allem, sie hatten gerade so viel, dass sie überleben konnten, ihre „Kleidung bestand buchstäblich aus Lumpen und Bändern. Das Gas zündet nicht, oder das Licht reicht nicht aus, um Wasser zu kochen".
Nach dem Krieg kehrten Janie und ihre Eltern nach Roquebrune zurück und nahmen - so gut es ging - ihr Vorkriegsleben in La Souco und in England wieder auf.
1947 wurde Janie eingeladen im Bloomsbury Memoir Club einen Vortrag zu halten; der 1920 von Molly MacCarthy gegründete Club hatte eine einzige Regel: neue Mitglieder wurden in geheimer Wahl gewählt (oder abgelehnt) und mussten die Zustimmung aller bestehenden Mitglieder haben - und diese mussten zum vertrauten Freundeskreis gehören, da die Vorträge autobiografischer Natur waren. Janie war bereits 1938 gemeinsam mit Quentin Bell, Frances Partridge und Julia Strachey in den Club aufgenommen worden. Janie trug ihre sehr persönlichen und geistreichen Erinnerungen an Matisse vor, einen satirischen Text, der unpubliziert blieb und erst im Jänner 1986 unter dem Titel "A Great Man" im Burlington Magazin erschien; in ihrem Beitrag ging sie auch sehr kenntnisreich auf die dramatische Lebensabschnitte von Matisse ein. In einem weiteren Vortrag im Club erinnerte sie sich an die Zeit in Frankreich unter der Gestapo.
Im selben Jahr veröffentlichte Quentin Bell in der Hogarth Press sein erstes Buch „On Human Finery“, eine klassische Studie über die Mode im Wandel der Zeit, die noch immer als kluge und geistreiche Auseinandersetzung mit dieser Materie gilt. Er widmete das Buch "Mlle. Jane Simone Bussy", der er das Manuskript noch vor Drucklegung vorgelesen hatte, um ihre Ratschläge zu hören.
1954 starb Simon Bussy im Alter von vierundachtzig Jahren in London. Mit seinem Tod änderte sich auch das Leben in La Souca; Janie kümmerte sich zwar so gut es ging um das Haus, BesucherInnen aus England empfanden die Villa aber zunehmend deprimierend. Auch das Verhältnis zwischen Janie und ihrer schnell alternden Mutter wurde schwieriger: Julia Strachey meinte, dass Janie völlig am Ende sei und nur mehr mit Widerspruch auf ihre Mutter reagiere, Clive Bell machte sich Sorgen um sie, fand sie aber sehr tapfer in dieser Situation. Schließlich entschloss sich Janie, mit Dorothy nach London zu gehen, wo sie sich nun zusätzlich um ihre - nicht anspruchslosen - Strachey-Tanten kümmerte. Vanessa Bell bedauerte sie und meinte:
"Wäre Janie ein Sohn gewesen, hätte niemand je etwas anderes von ihr erwartet als zu malen ... Sie wird wohl erst dann wirklich frei sein, wenn all ihre Verwandten tot sind.“ (Spalding: Vanessa Bell, S. 375)
Darüber hinaus machte sich Janie Sorgen um das leerstehende Haus in Roquebrune und bot es Vanessa und Duncan an; obwohl Vanessa in einem schlechten Gesundheitszustand war, fuhren sie, Duncan, ihre gemeinsame Tochter Angelica in Begleitung ihrer Haushälterin Grace Higgins nach Roquebrune und blieben dort von Jänner bis April 1960. Sie begutachteten die Werke von Simon Bussy, die Janie noch ordentlich in seinem Atelier gestapelt hatte - nach seinem Tod waren sie in mehreren bedeutenden Retrospektiven ausgestellt worden und hatten immer mehr an Wert gewonnen. Vanessa hatte bei dem Aufenthalt in La Souco zwiespältige Gefühle: einerseits mochte sie den Ort, fand ihn aber auch seltsam und wollte auch nicht länger bleiben:
"Alles an diesem Haus bricht gerade zusammen, und das geht einem nach kurzer Zeit auf die Nerven. Die Lampen gehen aus, die Stühle scheinen in ein oder zwei Tagen auseinander brechen zu wollen, die Katzen werden immer mehr. Ich sehe bald Gespenster." (Spalding: Vanessa Bell, S. 377)
Angelica, die zuletzt 1935 dort war, beschrieb die wundervolle Lage des Hauses und den Garten, der in Terrassen zum Meer abfiel,
"die getüpfelt waren mit Oliven-, Orangen- und Limonenbäumen, an denen die Früchte wie kleine Laternen hingen. Die Wege waren zwar mit Unkraut zugewachsen, aber gesäumt mit kleinen blauen Iris, und wenn man nach oben schaute, sah man die zimtfarbenen Dorfhäuser gegen eine violetten Himmel." (Garnett: Freundliche Täuschungen, S. 170)
Nach ihrer Rückkehr wollten Vanessa und Duncan Janie in London treffen, um über La Souco zu berichten, kam aber zu spät: am Tag vor dem geplanten Treffen war Janie Bussy tot im Badezimmer am Gordon Square 51 aufgefunden worden: Ursache ein defekter, nicht regelmäßig gereinigter Gasofen zur Wassererwärmung.
Dorothy Bussy, die senil war, erfuhr nichts vom Tod ihrer Tochter und wurde in einem Privatpflegeheim untergebracht, wo sie kurz darauf, am 1. Mai 1960, starb. Vanessa Bells Kommentar zum Tod von Dorothy - an die einengenden Umstände denkend, die die letzten Jahre von Janies Leben dominierten:
„Wenn das nur früher geschehen wäre“ (Spalding: Vanessa Bell, S. 377)
Janie hatte ihr Leben hauptsächlich ihrer Familie gewidmet, sie starb, ohne jemals ein eigenes Lebengehabt zu haben; ihr Tod war für alle, die sie kannten ein
großer Verlust.
Die Malerin Janie Bussy:
Jane Simone Bussy begann Ende der 1920er / Anfang der 1930er Jahre zu malen. Mit ihren Bildern (Landschaften, Stillleben und Blumen) - nach Quentin Bell ruhige, sensible Werke - konnte sie sich erst später etablieren. Sie malte pastellfarbene Blumensträuße in Vasen oder Krügen, reife Früchte in Schalen auf gemusterten Tischdecken vor einem strukturierten Hintergrund, hielt die südfranzösische Landschaft fest, viele ihrer Werke sind nicht betitelt, nur zum Teil datiert, ihre Signaturen wechselten zwischen J.S. Bussy, Jane Simon Bussy oder S. Bussy. Ihr Werk, in dem der Einfluss der französischer Malerei deutlich spürbar ist, war nicht sehr groß, es wurde auch in Ausstellungen gezeigt und wird bis heute in Auktionen angeboten.
(Janie Bussy) At the Easel 1956, Porträt von Duncan Grant
Literatur- und Quellenverzeichnis:
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A Chance of Perspective. The Letters of Virginia Woolf. Volume III: 1923-1928. Editor: Nigel Nicolson. The Hogarth Press, London 1977
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www.twopoems.co.uk/new-arrivals/p/wqazicwbgwjan171bjuvrkcun3c6gz (Mary Constance Lloyd)
Bildnachweis:
Janie und Dorothy Bussy, um 1912: by unknown photographer, NPG x38597, © National Portrait Gallery, London /
www.npg.org.uk/collections/search/portrait/mw128881/Janie-Bussy-Dorothy-Bussy-ne-Strachey?search=sp&sText=Janie+Bussy&rNo=3
Simon Bussy, 1920: by Lady Ottoline Morrell, NPG Ax140895, © National Portrait Gallery, London /
www.npg.org.uk/collections/search/portrait/mw88359/Simon-Bussy
Janie Bussy mit Christopher Strachey, 1921: by unknown photographer, NPG Ax160868,
© National Portrait Gallery, London / www.npg.org.uk/collections/search/portrait/mw247504/Janie-Bussy-Christopher-Strachey
Janie Bussy, späte 1930er Jahre: by unknown photographer, NPG x38572, © National Portrait Gallery, London /
www.npg.org.uk/collections/search/portrait/mw128911/Janie-Bussy?search=sp&sText=Janie+Bussy&rNo=16
La Souco, 1993: deartibussequanis.fr/xx/bussy.php
"Evening interior ou Soir d'été a La Souco", um 1920-1925: by Simon Bussy / deartibussequanis.fr/xx/bussy.php
Plakette Gordon Square 51:
upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/2a/Bloomsbury_Group_51_Gordon_Square_blue_plaque.jpg
Charleston Farmhouse: commons.wikimedia.org/wiki/File:Charleston_Farmhouse,_Sussex.jpg
Janie Bussy, Ölbild von Simon Albert Bussy, 1925-1930:
www.sothebys.com/en/buy/auction/2020/refining-taste-works-selected-by-danny-katz/simon-albert-bussy-portrait-of-jane-bussy-daughter
Janie Bussy, 1925: by Simon Bussy, en dépôt au musée dept. de l'Oise, Beauvais / deartibussequanis.fr/xx/bussy.php
Janie Bussy, Porträt von Jean Vanden Eeckhoudt, 1928: © musée Georges Borias, Uzès,
www.midilibre.fr/2019/05/09/nuit-des-musees-2019-au-musee-duzes,8188491.php
Janie Bussy, späte 1920er / frühe 1930er Jahre: by Ray Strachey, NPG D209,
© National Portrait Gallery, London /
www.npg.org.uk/collections/search/portrait/mw36254/Janie-Bussy?LinkID=mp17356&role=sit&rNo=19
Janie Bussy, 1930er Jahre: by Ray Strachey, NPG D208, © National Portrait Gallery, London /
www.npg.org.uk/collections/search/portrait/mw36243/Janie-Bussy
Janie Bussy 1952, Porträtzeichnung von Henri Matisse:
summer2021.londonartweek.co.uk/artworks/portrait-of-janie-bussy/index.html /
www.stephenongpin.com/PrintObjectPdf/index?objectID=799490
(Janie Bussy) At the Easel 1956, Porträt von Duncan Grant:
www.invaluable.com/auction-lot/duncan-grant-at-the-easel-jane-bussy-58a-c-ede4d389fe
Mediterranean Landscape (1): browseanddarby.co.uk/artists/77-jane-simone-bussy/works/7151-jane-simone-bussy-mediterranean-landscape-i/
Mediterranean Landscape (2): browseanddarby.co.uk/artists/77-jane-simone-bussy/works/7153-jane-simone-bussy-mediterranean-landscape-ii/
Mediterranean Village: www.artnet.de/k%C3%BCnstler/jane-simone-bussy/mediterranean-village-dgNuXzaPU3b64V1ysN7CEw2
Edinburgh, Skyline (1940): www.ebay.co.uk/itm/376604249437 / www.sellingantiques.co.uk/1170298/jane-simone-bussy-19061960-bloomsbury-group-associations-oil-painting/
All the Fun of the Fair / Still Life:
www.facebook.com/female.artists.in.history/posts/jane-simone-bussy-french-painter-1906-1960all-the-fun-of-the-fair-sdoil-on-canva/1940268716258008/
Anemones: browseanddarby.co.uk/artworks/7055-jane-simone-bussy-anemones/
Paradis bleu: issuu.com/atgpark/docs/w_w_modern_art_4-5_dec
Plums and Peaches: www.artnet.de/k%C3%BCnstler/jane-simone-bussy/plums-and-peaches-yJtUD0blLV9Th5WzD4RQEg2
Simon Albert Bussy / Janie mit Dorothy Bussy / Janie mit ihrem Cousin Christopher Strachey / Janie in den späten 1930er Jahren
oben: La Souco in Roquebrune an der Südküste Frankreichs / "Sommerabend in La Souco" (Simon Bussy, um 1920 - 1925) / unten: Plakette am Haus Gordon Square 51 / Charleston Farmhouse in Sussex
Janie Bussy in Porträts:
Simon Bussy malte das ca. 70 x 45 cm große Porträt seiner Tochter zwischen 1925 und 1930. Das Ölbild hing am Eingang zur Wohnung der Bussys am Gordon Square 51 und gehört zu seinen besten Werken.
links: Janie 1925, Porträt von Simon Bussy
rechts: Janie 1928, Porträt von Jean Vanden Eeckhoudt, Nachbar und Freund der Bussys in Roquebrune
Janie (1920er / 1930er Jahre) porträtiert von Ray Strachey, Ehefrau von Janies Onkel Oliver, die den Bloomsbury-Kreis in über 70 Bildern karikaturhaft festhielt.
Henri Matisse schenkte 1952 Janie diese Porträtskizze; Janies Vater gehörte zu seinen ältesten und engsten Freunden, gemeinsam waren sie Schüler im Atelier von Gustave Moreau und besuchten sich regelmäßig - Matisse lebte in Nizza und Cimiez und war ein naher Nachbar zu den Bussys. Janie verbrachte viel Zeit mit den Erwachsenen; Matisse stand sie skeptisch gegenüber, seine Selbstversunkenheit und den ungeheuren Egoismus, der hinter seiner Freundlichkeit steckte, fand sie langweilig. Wahrscheinlich war sie eifersüchtig auf seinen Erfolg - auch in finanzieller Hinsicht - im Gegensatz zu dem ihres Vaters. Auch Matisse fühlte sich nicht wohl in ihrer Gegenwart, ließ dies aber nicht in seine Skizze einfließen.
Janie Bussy in Erinnerungen:
Quentin Bell:
Janie - eine schöne Häßliche, wie Quentins Vater Clive Bell sie nannte - war „nie eine Schönheit im normalen Sinne, aber sie sah immer vornehm aus. Sie hatte die kleinen Knopfaugen ihres
Vaters doch konnten diese Augen schön werden, wenn sie sprach oder lächelte. Sie war buckelig wie ihre Mutter, hatte aber zarte Gelenke und war von einer Geschmeidigkeit und Anmut, die an die
Odalisken von Ingres erinnerte. Ihre Haltung und ihre Kleidung waren von wunderbarer Schlichtheit; sie schritt über die Londoner Trottoirs wie eine verwöhnte Katze.“
(Quentin Bell: Erinnerungen, S. 201)
Angelica Garnett:
"Janie Bussy ... mochten alle gern; Clive, dessen Gunst sonst nur über gutes Aussehen zu erreichen war, nannte sie eine jolie-laide und genoss ihre Intelligenz und ihre leise Bosheit so sehr,
dass er ihr ihr Äußeres verzieh. Und sie hatte ja auch wirklich sehr schöne, mandelförmige und fast schwarze Augen, in denen sich eine intensive, verborgene Vitalität spiegelte, die sowohl
von den Bussys wie den Stracheys herrührte. Sie war immer gescheit und taktvoll, zugleich aber eine stets wache und erbarmungslose Beobachterin. Im Gegensatz zu den meisten ihrer Freunde war sie
elegant und ähnelte den Sittichen, die ihr Vater mit Vorliebe malte. ... Vanessa gegenüber, die sie sehr mochte, zeigte sie die zärtliche Seite ihrer Natur. Gewöhnlich verbarg sie die unter
geistreichen Geplauder, das in Charleston ganz angebracht war, aber es anderen schwer machte, ihre wahre Persönlichkeit zu erkennen. Immer bereit, sich unseren Unternehmungen anzuschließen, war
sie die vollkommene cousine retrouvée. Sechs Monate im Jahr, die sie in Frankreich zubrachte, war sie für uns verloren, aber im Frühling mit den ersten Schwalben kam sie wieder. 'Die Bussys sind
da', bedeutete, dass nicht nur sie, sondern der Sommer gekommen war."
(Angelica Garnett: Freundliche Täuschungen, S. 108f)
In ihrem Katalogtext zur Ausstelllung "The Bloomsbury Workshop" / "Sixty Years On. The Spirit of the Age"(1998) erinnert sich Angelica Garnett an Janie mit ihrer englisch-französischen Erziehung, an ihre fragile Gesundheit und ihre durch chronische Bronchitis verursachte heisere Stimme, ihren untrüglichen Geschmack in Sachen Kleidung und ihre lebhafte und lebensbejahende Art.
Frances Partridge:
Janie hatte eine schlanke, elegante Figur und schöne Beine und Hände, und sie bewegte sich mit einer schnellen, lakonischen Anmut. Leider konnte man ihr Gesicht nur als hässlich bezeichnen,
trotz des Funkelns und des Witzes, der aus ihren braunen Augen leuchtete. Michael MacCarthy brachte es auf den Punkt, als er mit dem verwunderten Ausdruck, den ich mit seinen besten Bemerkungen
verbinde, sagte: "Sie sieht aus wie ein Clown, der gerade eine schlechte Nachricht erhalten hat.“
(Frances Partridge: Memories. archive.org/details/memories0000part_b8p6/page/n3/mode/2up, S. 179f)
Landschaften / Stillleben / Blumen
Mediterranean landscape 1 / Mediterranean landscape 2
Mediterranean village / Edinburg, Skyline (1940)
All the Fun of the Fair / Anemones /
Paradis bleu / Plums and Peaches
Janie Bussy: Bilder (Auswahl):
All the Fun of the Fair / Still Life
Anemones
Apartheid
A quiet Brook
Bouquet de fleurs (bunt)
Bouquet of flowers (gelb, lila)
Bouquet de narcisses
Continental Port Scene
Continental Town on a hillside
Edinburgh, Skyline (1940)
French landscape ca 1930
French valley landscape ca 1930
Hilltop Village
Jug and bowl of flowers
Mediterranean landscape (1)
Mediterranean landscape (2)
Mediterranean village
Melon and pineapple
Mountain landscape
Narcisses, 1933
Nature morte aux citrons
Paradis bleu
Plums and peaches
Still life of fruit in a ceramic bowl
Still life of narcisses in a vase and ceramic bowls on a table
Still life on an striped cloth
Still Life with flowers in a bowl um 1930
Still life with spring flowers, 1931 Roquebrune
Still life with oranges and grapes
diverse bouquets of flowers in vases and jugs
Ausstellungen (Auswahl):
Die Pariser Galerie Druet stellte Im Juni 1931, von Oktober - November 1934 und im Juni 1937 (Landschaften und Stillleben) ihre Bilder aus; die Galerie war auf Anregung von Auguste Rodin 1903 gegründet worden und bestand bis 1938.
Zwischen 1935 und 1939 stellte Janie Bussy in den Leicester Galerien bzw. in der Levevre Galerie in London aus.
Im Juli 1946 schmückten die Bilder von Janie Bussy, Edward de la Blas, Duncan Grant, Vanessa Bell, Pamela Diamand und Angelica Garnett die Wände des Ateliers von Phyllis Marion Keyes; die Keramikerin stand dem Bloomsbury Kreis nahe und stellte u.a. für Vanessa Bell und Duncan Grant Rohkeramiken zum Bemalen her.
1947 hatte sie gemeinsam mit Mary Constance Lloyd, einer ehemaligen Schülerin ihres Vaters in seinem Pembroke Studio in Kensington und Freundin der Familie, eine Ausstellung in der Londoner Adams Gallery, an deren Organisation Duncan Grant maßgeblich beteiligt war.
Im November 1998 wurde ihr Werk im Rahmen von "The Bloomsbury Workshop" / "Sixty Years On. The Spirit of the Age" (London) ausgestellt.
The Court Gallery stellte im Rahmen der Ausstellung "20th Century Women Artists" (4. Juni - 25. Juli 2020) ihr Bild "Still Life with Oranges and Grapes" aus, ein Bild aus den 1940er Jahren, auf Rückseite die Teilansicht von Blumen in einem Krug.
In der von Laura Smith kuratierten Ausstellung "Virginia Woolf: An Exhibition Inspired of her Writings", die Werke von über achtzig Künstlerinnen präsentierte, war
auch Janie Bussy vertreten; die Ausstellung wurde 2018 in der Tate Gallery St. Ives, in der Pallant House Gallery, Chichester, und im Fitzwilliam Museum, Cambridge gezeigt.
Vom 21. - 26. Jänner 2025 stellte die Galerie Austin / Desmond Fine Art mit Sitz in Bloomsbury im Rahmen der London Art Fair 2025 (Business Design Centre) eine Reihe von KünstlerInnen aus,
darunter auch Janie Bussy.
Janie Bussy - Übersetzungen und Texte (Auswahl):
Gemeinsam mit Andre Maurois übersetzte Jane Simone Bussy David Garnetts "Lady into Fox":
1924 erschien "La femme changée en renard" in der Reihe Les Cahiers Verts, 43 bei Librairie Bernard Grasset, 1932 eine illustrierte Ausgabe mit Bildern von Jean Lébèdeff bei Artheme Fayard & Cie in Paris.
Janie fand die Übersetzung problematisch: Wie sollte sie den archaischen, von Defoe inspirierten Tonfall wiedergeben? Wie sollte sie den Franzosen, die keine Füchse jagten, das Konzept der Fuchsjagd vermitteln?
Jane Simone Bussy: A Great Man, Burlington Magazine, Vol. 128,
No. 995, February 1986, S. 80-85
Janie Bussy: Un Grand Homme, Bulletin des Amis d'Andre Gide,
Nr. 84, 1989, S. 387-397
Im Oktober 1989 erschien im Bulletin - übersetzt von Francois Walter und Daniel Durosay - Janies Text über Matisse. Das Heft mit dem Schwerpunkt "Die Bussys – Pinsel und Feder" enthält u.a. folgende Beiträge: Quentin Bell: Porträt von Janie / Jean-Pierre Vanden Eeckhoudt: Erinnerungen an Dorothy Bussy / Philippe Loisel: Simon Bussy, Maler / George D. Painter, Francoise Steel: Dorothy Bussy und Gide / David Steel: Die Stracheys, Bloomsbury, Gide und die Gruppe der "Nouvelle Revue Francaise" / Zoum Walter: La Souco während des Ersten Weltkrieges / Leonard Woolf, Jean-Pierre Vanden Eeckhoudt: Nachruf auf Dorothy Bussy („The Times“, London, 13. Mai 1960)